Mauerfall

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Im Flur hängt eine Karte mit der Aufschrift „Ich lebe jetzt“. Für Almut und Dieter ist das mehr als bloß ein Spruch. Seit 18 Jahren sind die zweifachen Eltern HIV-positiv – und die Diagnose hat ihren Blick auf die Zeit verändert.

Eltern möchten mit ihren Kindern Zeit verbringen, ihnen Unbeschwertheit schenken und sie in die Eigenständigkeit begleiten. Das wünschten sich auch Almut und Dieter, als 1987 Tochter Julia und 1989 Sohn Christoph auf die Welt kamen. Doch Ende 1990 schien ihnen der Weg in ein normales und glückliches Leben mit einem Mal verstellt: Bei einem Vorsorgecheck zur Blutspende wurde bei Almut eine HIV-Infektion festgestellt. Die Diagnose erklärte, warum die damals 34-Jährige bereits einige Zeit zuvor urplötzlich gesundheitlich zusammengebrochen war und seitdem eher schlecht als recht durch den Alltag kam. Die Ansteckungsquelle: Nicht wie zu der Zeit oft verhöhnt schwuler Sex, sondern ein Notfall in der Klinik, bei dem die Dialyseschwester eingriff.

„Es war die schlimmste Zeit unseres Lebens“, sagt Almut leise. „Erst konnte ich es einfach nicht glauben. Dann schoss mir sofort durch den Kopf: Was ist mit meinem Mann, mit den Kindern?“ Die Angst war groß, denn auch Dieter kränkelte. Kurz darauf folgt die zweite Hiobsbotschaft: Auch Dieter war positiv. „Es war wie ein Todesurteil“, blickt der ehemalige Betriebswirt zurück. „Uns verließ alle Kraft. Was sollte aus uns werden?“ ...


Erschienen in LhivFE 3.2008