Herzdame im Einsatz

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Einer Entscheidung für die Organspende stehen häufig Unsicherheiten oder Unwissenheit im Weg. vigo begleitete eine Koordinatorin der Deutschen Stiftung Organtransplantation, um mehr über den Spendeprozess zu erfahren.

Es scheint, als halten die 12 Ärzte, Assistenten, Schwestern und Techniker im Operationssaal 2 der Klinik Köln-Merheim für einen kurzen Moment gemeinsam den Atem an. Alle blicken sie auf das menschliche Herz, das ein Spezialistenteam aus Berlin vor wenigen Minuten aus dem Körper einer Organspenderin entnommen, präpariert und nun in einer speziellen Apparatur untergebracht hat. Reglos und blutleer liegt es dort, angeschlossen an verschiedene Schläuche. Der Arzt massiert es sanft – und es geschieht, was wie ein Wunder wirkt: Das Herz beginnt wieder zu schlagen. Gesteuert von regelmäßigen elektrischen Impulsen, die es aus sich heraus erzeugt, pumpt es das in die Maschine eingespeiste Blut der Spenderin durch sich hindurch. Zwei Herzchirurgen und ein Techniker kontrollieren aufmerksam die blinkenden Displays. Sobald sie sehen, dass das Herz stabil arbeitet, drängen sie zum Aufbruch. Sie müssen zurück und der Countdown läuft; ab jetzt zählt jede Minute. Der Fahrdienst, der das Team im Blaulichtwagen zum Flughafen bringt, steht schon bereit. Wenige Stunden später soll das Herz der Spenderin aus Köln einem jungen Mann in Berlin implantiert werden und damit ein Leben retten.

„Was wir hier gesehen haben, ist etwas ganz Besonderes“, erläutert Renate Breuer anschließend, selbst sichtlich beeindruckt. Als Koordinatorin der Deutschen Stiftung Organtransplantation, kurz DSO, hat sie jede Phase der Organentnahme mitverfolgt. „Das neue Transportsystem wurde erst wenige Male eingesetzt. Mit seiner Hilfe können die Transplantationschirurgen ein Spenderherz schlagend transportieren. Das eröffnet ihnen immense Vorteile: Sie können das Herz medizinisch behandeln und haben vor allem mehr Zeit, es zum Empfänger zu bringen. Der herkömmliche Weg in einer Kühlbox lässt ihnen vier Stunden – in der neuen Apparatur können sie ein Herz in einem künstlichen Kreislauf bis zu sieben Stunden funktionsfähig halten. Sind Spender und Empfänger räumlich weit voneinander entfernt oder treten Komplikationen auf, kann dieser Unterschied entscheidend sein.“

Die Nachricht über die mögliche Spende in Köln ging an diesem Tag bereits früh morgens in der Essener Zentrale ein. ...


Erschienen in vigo Gesundheit 5.2009